Spiderman im Bahnchaos und sonstige Hilfsangebote

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Es fing an, wie Bahnreisen derzeit häufig laufen; Bereits im Mai hatte ich zum Sparpreis, also mit Zugbindung, meine Hin- und Rückreise von Königswinter nach Malente gekauft.

Eingestellt am 7.11.25, erweitert am 13.7.

Zugbindung? Was schätzt Ihr?

Was soll ich Euch sagen – die Zugbindung musste ich NICHT einhalten ;)

Bereits einige Tage zuvor hatte ich realisiert, dass am geplanten Tag der Hinreise, dem 5.7., aber auch noch bei der Rückreise am 11.7. zwischen Königswinter und Köln rein gar nichts ging. Die Hinfahrt führte mich über Bonn HBF zum Kölner HBF, die Rückreise scheint noch komplizierter zu werden, aber ich bin jetzt erst einmal hier beim Seminar im Bildungsurlaub zu „Deutschland, Europa und die Zukunft unserer Demokratie. Bin sehr gespannt, was mich ab morgen und bis inklusive Freitag erwartet

Aber zunächst zur Hinreise

Los ging es um 8.15 h von der Clemens-August-Str. in Königswinter mit der 66 statt vom Bahnhof in Königswinter um 09.08 h. Also zumindest etwa eine Stunde längere Reisezeit, aber da nicht „Verspätung“, ergibt sich daraus keine Fahrpreiserstattung.

Ein Tipp aber dennoch:

Sollten Sie aufgrund eines Zugausfalles (etwa nachts) nicht öffentlich zum Bahnhof kommen, behalten Sie die Taxiquittung, da sie diese mit entsprechender Begründung im Zuge der Fahrpreiserstattung geltend machen können. Allerdings darf es dann tatsächlich keine ÖPNV-Alternative gegeben haben.

Nach Köln und weiter …

Die 66 kan pünktlich, was auch nicht garantiert ist – Eingeweihte kennen den interessanten Countdown: Die Bahn kommt in „5-4-3-2-5-4-3-…“Minuten – oh sorry: Die Bahn fällt aus“, oder „Stau“. Aber heute klappt es und ich erreiche problemlos Bonn HBF. Dort habe ich genug Zeit vom U-Bahn-Bahnhof „tief“ zu Gleis 1 zu kommen, und auch die Weiterfahrt zum Kölner HBF klappt problemlos. Dort habe ich noch etwas Zeit und setze mich ans Gleis, wo ich die Wagenreihung des ICEs nach Hamburg checke, um den mit meinen reservierten Sitzplatz zu identifizieren und ungefähr richtig bei Zugankunft zu stehen. Heute ist es für mich Wagen 2, und an B stehe ich recht gut. Kurz bevor der Zug dann kommt, frage ich einen Mitreisenden, ob er mir mit meinem Koffer beim Einsteigen helfen kann. Wir scherzen noch über plötzlich geänderte Wagenreihung, was im konkreten Fall eher kein Scherz, sondern ein Grund zum schweißtreibenden Rennen zum anderen Ende des Bahnsteigs sein kann. Aber heute ist alles gut, und wir stehen ziemlich optimal. Der nette Herr macht sein „kriegen wir hin!“ um, und fragt mich auch noch nach meiner Sitzplatznummer. Er trägt dann meinen Koffer durch fast den gesamten Wagen – in der Mitte ist ein Gepäckfach, und zunächst stellen wir (er) meinen Rollkoffer dort ab. Doch dann sehe ich, dass direkt hinter meinem gebuchten Sitzplatz ein weiteres Gepäckfach steht. Also gehe ich zurück, und will meinen Rollkoffer holen, doch lässt es sich mein freundlicher Helfer nicht nehmen, meinen Rollkoffer höchstpersönlich erneut durch den Wagon zu tragen. Dann sitze ich – den Rollkoffer direkt hinter mir und wir fahren gen Hamburg.

Am HH-HBF gehe ich zur Ausgangstür, wo ich mit einer Soldatin und zwei anderen Frauen stehe. Die Soldatin frage ich, ob sie aussteigt. – „Ja“ – „Können Sie mr beim Ausstieg mit meinen Koffer helfen?“ – „“Klar!“ – Da meldet sich die direkt an der Tür stehende Dame: „Ich nehme ihn mit raus!“ – Die Soldatin: „Ich mache das – Sie haben doch selbst einen Koffer.“ – Darauf die dritte Dame: „Ich kann Ihnen auch helfen.“ Jetzt sind es drei:-)

Die Dame an der Tür nimmt meinen Koffer und hebt ihn hoch – „Na, sind ja keine Backsteine drin!“ – „Ne“, sage ich, „nur Goldbarren“. Jetzt mischt sich die 3. Dame wieder ein: „Dann nehme ich ihn!!!“.

Nun gut, der Zug hält, wir steigen alle aus und wünschen uns gute Reise. Im PKW hätte ich diese Art von kleinen, netten Begegnungen nicht – und zwar kennt auch die Bahn entgegen eines Werbespruches sehr wohl „Stau“ – aber die Autofahrenden natürlich auch – und viele sitzen dann einsam in ihrer Blechkarosse und können nicht mal mit anderen Reisenden mosern stänkern und lästern. Sind Autofahrende also nicht bedauernswerte Kreaturen – angeblich und subjektiv mit mehr „Freiheit“? Klar: „weitgehend frei von kurzen belebend schönen Begegnungen mit Mitreisenden – außer „Stoßstange an Stoßstange“!

Ok, ganz pünktlich kommen wir dort nicht an, aber bei einer geplanten Umstiegszeit von 20 Minuten ist auch deren Halbierung kein Problem, und so stehe ich rechtzeitig an Gleis des Zuges nach Lübeck

Lübeck Bahnhof (Foto: StH)

Und dann treffe ich Spiderman

Direkt am von mir gewählten Eingang gibt es eine 4er-Gruppe, in der ein Vater mit seinem Sohn sitzen. Ob ein Platz frei sei, frage ich den Vater. Ja, setzen Sie sich. Ich sitze am Gang, neben mir der Sohn, uns gegenüber der Vater. Plötzlich sitzt der Sohn neben dem Vater und letzterer bedeutet mir, dann könne ich meinen Rucksack auf den Sitz neben mit legen.

Dann fängt der Vater (könnte Syrer der Gruppe von 2015 sein) an „Ich sehe was, was Du nicht siehst“ mit seinen Sohn an. Erst „blau“, doch der Sohn sagt: „Ne – rot!“ – „Gut, also rot“. Auf jeden Fall kommt der Aufdruck auf des Jungen T-Shirts raus – und das ist ein blau-roter Spiderman. Die beiden sprechen in fehlerfreiem Deutsch miteinander und es ist schön, ihren neckenden Umgang miteinander – etwa die Rechenaufgaben, die der Vater ihm stellt – zu beobachten. In Ahrensburg steigen sie aus – und wir verabschieden uns freundlich voneinander. Die beiden repräsentieren sicherlich eine gelungene Integration – ich will nicht wissen, was der Vater auf seinem Weg nach Deutschland (und zuvor) erlebt haben mag. Besser gesagt; es würde mich schon interessieren, aber es ist nicht das Setting für ein derartiges Gespräch und so frage ich auch nicht.

Aber ich freue mich über diese freundlich-offene Begegnung und das unser Land den Beiden eine (hoffentlich sichere) Heimat geben kann.

Übergang zu SEV

Wir kommen mit so viel Verspätung (etwa 15 Minuten) in Lübeck an, so dass mein geplanter SEV nicht zu erreichen ist.

So hatte der Nachwuchs-Spiderman zwar nicht die Verspätung verhindert, damit ich den Anschluss erreiche, aber immerhin meine Laune gerettet und weiter aufgehellt – zusammen mit seinem Vater.

Und man darf Spiderman mit seinen Superkräften ja auch nicht übrerfordern. Für die Pünktlichkeit der Bahn braucht es nach Jahrzehnten der Vernachlässigung, um sie zunächst „börsentauglich“ zu machen und dann ihr gegenüber anderen Prioritäten die Flügel zu stutzen, bzw. die Räder zu entölen, also die erforderlichen Mittel zu streichen, mehr als die Begleitung für vielleicht 20 Minuten und all dem guten Willen eines freundlichen Spiderboys!

Das ist zwar überaus schade, aber der Lauf der Dinge im real extistierenden Bahn-Sparianismus seit Herrn Mehdorn im Auftrag des viertletzten Bundeskanzlers, also jenes Kurfürsten aus der Pfalz, der seinen (Vor-)Namensvetter abgelöst hatte und den „Spar-(stab) an jenen Kanzleramtstor-gerüttelt habenden Niedersachsen übergab, dessen Vorname zumindest alphabetisch ein Rückschritt war. Über den Resr seines Vermächtnisses wie auch das dessen mit den „jüdischen Vermächtnissen“ mag man trefflich streiten – was weder hier noch meine Aufgabe ist …

Zwar mögen seitdem die Zahl der Gleise nicht sonderlich viel mehr geworden sein, aber der Parteien im bundesrepublikanischen Alltag und Parlament auf jeden Fall, und der ungelösten Probleme vielleicht auch – selbst wenn einige Gruppierungen politischer Akteure deren Existenz hartnäckig zu leugnen belieben.

Also muss ich den Abfahrtsort für den SEV finden, was nach einigem Fragen auch gelingt. Am Bus des SEV gibt es vielfaches Befragen des dann ankommenden Buses und einige Verwirrung bei Fahrer und Reisenden. Schließlich jedoch werden alle Klarheiten beseitigt, und ich sitze im Bus, der in Eutin, aber auch in Malente hält.

Mit dem SEV-Bus geht es bis zum Bahnhof in Malente. Dort suche ich den Bus 3 zur Holebystr., von wo aus es dann noch gut 700 m bis zu meinem Ziel, der Gustav-Heinemann-Bildungsstätte, sein soll.

Ich finde sie und setze mich gerade auf eine Bank, als ein PKW hält und ich durch das offene Fenster gefragt werde, wo in Malente ich denn hin wolle. Zwar hatten meine Eltern mir für etlichen Jahrzehnten immer gesagt, ich solle mich nicht von fremden Menschen ansprechen lassen , aber erstens ist es ein älteres Ehepaar, und sie haben, wie ich glaube, im SEV-Bus hinter mir gesessen.

Und so erhalte ich auf meine wahrheitsgemäße Auskunft ein: „Wir bringen Sie hin!“. Also hilft mir der Herr, mein Gepäck in den Kofferraum zu verstauen und dann im Auto Platz zu nehmen.

Und zu guter Letzt ein unerwartetes „Privattaxi“

Das Ehepaar, das aus Malente kommt, und gerade aus Magdeburg vom Besuch einer Freundin der Dame kommen, fragen, welches Seminar es denn gebe? Ich antworte „Deutschland, Europa und die Zukunft unserer Demokratie“ Kurz versichern wir uns gegenseitig, dass wir die derzeitigen Entwicklungen in der Welt als echt schrecklich und eine ziemliche Katastrophen empfinden , und schon sind wir da und ich habe mir eine Wartezeit von gut 40 Minuten in Malente sowie gut 700 m laufen erspart.

Und so geht meine, ein wenig abenteuerliche Reise nach einigen wirklich netten Begegnungen mit freundlichen und hilfsbereiten Händen, bzw. den ihre Handlungen steuernden Köpfen nach etwa 9 Stunden glücklich, wenn auch etwas erschöpft, zu Ende.

Ende gut, alles gut! – Und der Weg war das Ziel!

Nun bin ich gespannt auf eine (hoffentlich) spannende Woche zur Bildung und mit Gesprächen zu und über Demokratie und unser aller Zukunft

Der Kellersee von der Gelände der Gustav-Heinemann-Bildungsstätte aus

Gemeinsam in Europa und Jeder Einzelne!

In der Gustav-Heinemann-Bildungsstätte in Malente (Foto: StH)

Das Bildungsseminar „Deutschland, Europa und die Zukunft unserer Demokratie“ fand vom 7.-11.7.25 in der Gustav-Heinemann-Bildungsstätte in Malente unter sehr kompetenter Leitung von Joachim Bussiek in einer Gruppe von 19 Teilnehmenden statt. Die Inhalte und Diskussionen hier weitergeben zu wollen, würde zu weit führen. Inhalte waren unter anderem die Krisen der letzten Dekaden als Polykrisen, die Demokratieentwicklung in Deutschland, ein Überblick über bundesdeutsche Institutionen sowie die Schutzmechanismen unserer Verfassung, der Einfluss sozialer Medien, sowie die EU und ihre Chancen und Herausforderungen. Ich und die anderen Teilnehmenden empfanden die Inhalte und Diskussionen in einer wirklich interessanten Seminargruppe als hilfreich und anregend. Ich kann die Teilnahme an diesem Seminar nur empfehlen.

Vielleicht kann man das Seminar zusammenfassen durch zwei Grundaussagen:

  1. Gemeinsam (in Europa!) sind wir und unsere Demokratie stark – es wäre gut, wenn wir alle uns dessen wieder bewusster würden und die Ergebnisse und Erkenntnisse der letzten 80 Jahre nicht auf’s Spiel setzen würden. Andernfalls merken wir was wir verloren haben, wenn wir es verloren haben. Aber das wäre dann ein echter und großer Verlust
  2. Die Demokratie benötigt jeden von uns. Und der Einsatz Jedes und Jeder für unsere Demokratie und gegen alle Interressen geleiteten Missgünstigen im Innern und von Außen lohnt sich!

Am Freitag, den 11.7.25 kam es dann zur Heimreise – und auch diese verlief nicht völlig ohne Überraschungen, von denen ich eine hier schildern möchte, da sie wirklich überaus überraschend war. Dass es so etwas gibt!

Die Strecke von Köln nach Königswinter war lediglich bis Troisdorf per Zug fahrbar. In Troisdorf war in den Schienen-Ersatz-Verkehr (SEV) zu bewältigen. Offensichtlich gab es mehrere unterschiedliche Unternehmen, die diesen Service für die Passagiere zwischen Troisdorf und Bad Honnef durchführten. Der Bus, den ich bestieg, fuhr dann geleitet durch eine Navi-App die eigentlich auf der Strecke liegenden Bahnhöfe an, also zunächst Friedrichs-Wilhelmshütte und fuhr von dort weiter gen Menden.

Und dann kam es zur Überraschung. An der Kreuzung , wo der Bus eigentlich rechts zum Bahnhof Menden unter einer Brücke hätte abbiegen sollen, stoppte der Fahrer und meinte, sein Bus passe nicht unter der 3,1 m hohen Brücke durch. Er telefonierte ratsuchend und fuhr schließlich ein Stück zurück, um direkt nach Bonn-Beuel abzubiegen. Andere Busse hatten wohl auch Menden angefahren, aber für seine Art Bus war die Brücke einfach zu niedrig. Dass es so etwas auch gibt! Schon erstaunlich!

Zumindest danach ging es problemlos weiter und zu „guter Letzt“ kam ich dann mit einiger Verspätung doch in Königswinter am Bahnhof an und von dort zu Fuß dann auch in meiner Wohnung.

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