Ein Beitrag zum Thema „Kommunikation“ (aus einer anderen Kultur)

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eingestellt am 28.2.25

veröffentlich wenige Stunden vor dem Eklat im Oval Office (28.2., 16.25 Uhr)

Foto: StH – Die Telekom in Bonn-Gronau – 2025 – Kommunikation mal etwas anders;)

somalische Grundsätze der Kommunikation

Vorab: somalische Kommunikation war in meiner Wahrnehmung in den 1990er Jahren keinesfalls stets „konstruktiv“ oder friedlich.

Doch erlebte ich auch einen bemerkens- und bedenkenwerten Grundsatz: „Vermeide stets, dass Dein Gegenüber „sein Gesicht verliert“

Konkret liefen Diskussionen/Verhandlungen auf dieser Grundlage häufig mit folgenden Regeln ab:

  1. Jeder hat einen eigenen Standpunkt, von dem in den Verhandlungen ausgegangen wird. Ein Gegenüber einer Verhandlung ohne oder mit wachsweichem Standpunkt wird nicht ernst genommen.
  2. Jede/r Verhandlungspartner stellt zu Beginn der Verhandlung diesen Standpunkt dar und hört sich denjenigen der anderen Seite zumindest an.
  3. Auf der Grundlage der nun offengelegten Standpunkte beginnt die Verhandlung – und im Idealfall wurde dann eine „dritte Lösung“ gefunden, ob nun ein „Kompromiss“ oder durch gemeinsames Denken „out of the box“.
  4. Natürlich war eine Grundvoraussetzung neben dem eigenen Standpunkt auch eine echte Verhandlungsbereitschaft, also auch den Standpunkt der Gegenseite ernsthaft zu erwägen und ggf. den eigenen zumindest teilweise zu verlassen! Das mag Narzisten nicht ohne weiteres gegeben sein (?)
  5. Verhandlungsergebnis war dann:
    entweder: wurde eine für beide Seiten akzeptable und letztlich „gesichtswahrende“ Lösung gefunden, und dann war das Ergebnis neben dem inhaltlichen auch eines persönlicher Anerkennung des Gegenüber. So sagte mir ein Somali, mit dem ich einige sehr harte Verhandlungen geführt hatte, zum Abschied: „It’s a pitty you leave!“ – Ich entgegnete: „Jetzt bekommst Du doch vielleicht eher, was, was Du möchtest.“ – „Maybe – but it was nice, working with you!“
    oder :Wurde ein Verhandlungspartner dazu gezwungen, insbesondere vor Dritten, sein „Gesicht zu verlieren“, konnte dies auch zu einer mittelfristig gewalttätigen „Rache“ führen, wie ich selbst einmal durch mein eigenen Verhalten („Nobody is perfect!“ – Und natürlich auch ich nicht!) und einmal durch das gegen meinen ausdrücklichen Rat gezeigte Verhalten eines Dritten erleben musste. und Emotionen sind auch häufig dabei und trüben bekanntlich den konstruktiven Blick :-(
    – Im ersten Fall war ich einige Stunden „stark in meiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt“,
    – im anderen wurde nachts eine Handgranate geworfen, die zum Glück nur Sachschaden anrichtete.
  6. Alles auch uns nicht unbekannt, aber vielleicht trotzdem manchmal sinnvoll und hilfreich, sich derartiger „Verhandlungsgrundsätze“ zu vergegenwärtigen.

Was mag uns das nun bezüglich des Gesprächs zwischen dem amerikanischen Präsidenten und seinem Vize und dem ukrainischen Präsidenten sagen?

Eines scheint recht klar:

Beide hatten eine klare eigene Agenda basierend auf ihrem interessengeleitetem Standpunkt:

Der Ukrainische Präsident hoffte auf die anhaltende Unterstützung durch die USA, ihm war klar, wie wichtig die bisherige Unterstützung war, doch betonte (wohl nach den gemachten Erfahrungen von 2014 und 2022) die Unabdingbarkeit von Sicherheitsgarantien, bei gleichzeitigem Interesse an einem „gerechten Frieden“. Dafür war er grundsätzlich wohl auch bereit, Trumps Wunsch des Zugriffs auf die ukrainischen Rohstoffe zu erfüllen, aber eben im Gegenzug gegen Sicherheitsgarantien, damit nicht in wenigen Monaten oder Jahren der nächste, dann dritte Griff nach der vollständigen Kontrolle des russischen Regimes über die Ukraine zu befürchten wäre. Der Erhalt solcher Sicherheitsgarantien war wohl sein Hauptanliegen.

Das US-Regime wollte die (wirtschaftliche) Kontrolle über die ukrainischen Rohstoffe, und das erste „Angebot“ an die Ukraine war von dieser offensichtlich als zu unvorteilhaft angesehen worden, und somit abgelehnt worden, was Trump vermutlich ärgerte. Trump war sehr bewusst, dass er sich in der stärkeren Verhandlungsposition aufgrund der Verwundlichkeit der Ukraine im Krieg befand.

Vermutlich ist Trump nicht unbedingt an fairer Verhandlungsführung „auf Augenhöhe“ interessiert, sondern macht seiner „Deal“ lieber aus einer Position der und unter Ausnutzung der eigenen Stärke – quasi das „Recht des Stärkeren“ und einen „Kompromiss“ mag er schon als Niederlage empfinden (?)

Entsprechend machte die US-Gesprächsführung, in dem dem amerikanischen „Verhandlungsteam“ das Behalten des „Gesichts“ der „Gegenseite“ keinerlei Wichtigkeit zu haben schien, sondern eigentlich der „absolute Triumpf“ und die „bedingungslose Unterwerfung“ von Selenski das Ziel war. Und tatsächlich bot der ukrainische Präsident ja wenige Tage später die Rohstoffe ohne Gegenleistung sowie die quasi vollständige Unterwerfung unter Trumps Willen an.

Und Trump erwartete wohl von Anfang an den „schnellen Frieden“, den er im Wahlkampf versprochen hatte. Und wenn Putin sich explizit unnachgiebig gebährdet, also1: „Frieden gerne, aber ohne Abstriche zu meinen Bedingungen“, dann wird es für Trump schwierig, sein Versprechen einzuhalten. Das Einfachste ist dann wohl, Denjenigen in der schwächeren Position zu zwingen – insbesondere, wenn man dafür in Form von gewährter oder entzogener Unterstützung die „besseren Karten“ bzw. „alle Trumpfkarten“ in der Hand hat.

Der Ukraine mag dieses – man mag es „skrupellos“ nennen -Verhalten durch die russische Vorgehensweise bekannt vorkommen.

Trump mag sich bzgl. seines Vorgehens „seelen-verwandt“ mit dem neurussischen Zar fühlen und dessen Vorgehen seit 2014 nicht nur verstehen, sondern im tiefsten Herzen anerkennen und „bewundern“

Nun hat Präsident Selenskyi vor aller Welt „das Gesicht verloren“ und er wurde im Oval Office zutiefst gedemütigt.

Doch das ficht den amerikanische Präsidenten vermutlich nicht an, sondern bestärkt ihn nur im eigenen „Verhandlungsgeschick“, und bekommt ja mit Rohstoffen und (vielleicht) „schnellem Frieden“ alles, was er als Ziel hat.

Wie heißt es: „Den Krieg mögen Putin und Trump dann gewonnen haben“, den „Frieden“ wir alle wohl eher nicht! Aber muss das Menschen wie Putin oder Trump interessieren? Und: ob Putin überhaupt irgendein Interesse an „Frieden“ hat, bleibt wohl abzuwarten – und es bleibt wohl zu befürchten, dass dem nicht so ist!

q.e.d. …