eingestellt am 27.9.24
Aus der Aktualität bedingte Erinnerung (zurückversetzt ins Jahr 1991)

Der Nil vom Buschflugzeug aus (Foto: StH 1991)
Als Paul im April 2023 von der Evakuierung von Ausländern aus Khartum und dem Sudan in den Medien hörte, fühlte er sich gut 3 Jahrzehnte zurückversetzt:
Ende 1991: Paul flog mit einer von einer internationalen Hilfsorganisation angemieteten DC3 von der logistischen Basis Lokichoggio in Nord-Kenya zurück nach Leer im Unity State des Süd-Sudan. Hier war er seit einigen Wochen als humanitärer Helfer eingesetzt und verteilte Hilfsgüter wie Wolldecken und Küchenutensilien. In den letzten Wochen hatte er den Bestand der in einem großen Zelt untergebrachten Hilfsgüter dokumentiert. Diese Inventur erleichterte es, zusammen mit der Logistik-Abteilung in Lokichoggio die dringendsten Lieferungen in Buschfliegern festzulegen.

DC3 im Morgenlicht in Lokichoggio (Foto: StH – 1991)
In dem Zelt unter der Plane war es drückend heiß, und so rannen viele Schweißbäche sein Gesicht, seinen Nacken und Rücken herab.
Ethnien und Fraktionen (Hintergründe und Zusammenhänge des Bürgerkriegs)
Leer war der Herkunftsort des Rebellenführers Riek Machar vom Stamm der Nuer. Riek Machar hatte sich zusammen mit dem Shilluk Lam Akol im August 1991 als „Nasir-Fraktion“ von der von John Garang geführten Sudanese People’s Liberation Movement (SPLM) abgespalten. John Garang stütze sich überwiegend auf den Volksstamm der Dinka.
Dinka und Nuer sind Rinderzüchter und liegen miteinander traditionell in Konkurrenz, wobei sie sich in Fehden und Raubzügen gegenseitig Rinder und Frauen rauben. Rinder spielen eine wichtige Rolle, da junge Krieger ohne die als Brautpreis geforderte Rinderzahl nicht heiraten können.

lokale Rinder grasen in überschwemmter Savanne (Foto: StH – 1991)
Im November 1991 war Paul im Auftrag seiner Hilfsorganisation in Bor gewesen, um dort die humanitäre Lage nach dem Angriff der Nasir-Fraktion Mitte November zu erkunden. Dieser Angriff wurde als das „Bor-Massaker“ bekannt . Paul war mit einem Buschflieger etwa Ende November für ein paar Stunden nach Bor geflogen und hatte sich dort mit lokalen Autoritäten unterhalten, die ihm gesagt hatten, sie bräuchten ALLES, da der Feind ihnen ALLES geraubt habe.
Am Landestreifen im Busch in Bor war Paul gewarnt worden, den Bereich der eigentlichen Landefläche auch nicht nur geringfügig zu verlassen, da an dessen Rändern Personenminen lägen, und so konnte er die Situation auch kaum eingehend begutachten, da er sich lediglich auf die Aussagen seiner Gesprächspartner stützen konnte.
Hier in Bor wie auch in Leer waren die humanitären Helfer in ihren Bewegungen überaus eingeschränkt. Sie durften nur sehen, was die Sudanese Relief and Rehabilitation Agency (SRRA), also der „humanitäre“ Arm der südsudanesischen Befreiungsbewegung SPLM unter John Garang oder Riek Machar und Lam Akol für die Nasir-Fraktion, Ausländern erlaubte.
Das Misstrauen gegen Fremde war überaus groß und so war Pauls Bewegungsfreiheit auch in Leer sehr eingeschränkt.
Bewegungs-„Freiheit“

Der Schlaf- und der Bürocontainer im Leer-Compound (Foto: StH – 1991

Dieser Tokul dient als Wohnzimmer, Ess- und Besprechungszimmer (Foto: StH – 1991)
Der Raum des freien Sich-Bewegens in Leer beschränkte sich auf seinen aus einigen Wohncontainern, die ihm „zu Hause“ bzw. Büro dienten und dem Lagerzelt bestehenden Compound. Außerdem durfte er sich zu einem vielleicht 400-500 m entfernten Gebäude der SRRA bewegen, in dem sein Funkgerät stand, über das er täglich zu festgelegten Zeiten Kontakt mit seiner logistischen Zentrale in Lokichoggio in Nord-Kenia hielt. Es war davon auszugehen, dass diese Gespräche abgehört wurden, aber sie waren wichtig, um die benötigten Hilfsgüter zu bestellen.

Ein „Buschflieger“ wird betankt – Foto: StH (1991)
Hilfsgüter wurden mit Buschflugzeugen von Lokichoggio in die Einsatzorte wie Leer, Pochalla, oder Nasir transportiert. Die kleinen Flugzeuge wie eine Cesna, eine Twin Otter oder etwas größere Flugzeuge mit mehr Ladekapazität wie eine DC3 und eine Buffalo landeten auf in die Buschlandschaft gerodeten und nur notdürftig für die Landung der Buschflieger planierten Landestreifen. Diesen Landestreifen in Leer konnte Paul außerdem zu den Zeiten der Hilfsgüterankünfte betreten, wobei er dabei stets in Begleitung war.
Außer diesen Orten durfte er lediglich den am örtlichen Krankenhaus gelegenen Compound einer weiteren internationalen Hilfsorganisation relativ frei und ohne vorherige Einholung einer Genehmigung aufsuchen. Das tat er gerne nach dem Arbeitstag, um mit den dort lebenden und arbeitenden Europäern ein Schwätzchen bei einer kühlen Dose Bier zu halten oder ein wenig Federball zu spielen. Auch der Austausch von Nachrichten war wichtig und willkommen. Dies insbesondere, wenn eine/r der Helfenden aus Lokichoggio oder gar Nairobi zurückgekehrt war, Von seinen niederländischen Mithelfenden wusste Paul, dass es etwa 80 km jenseits der Überschwemmungsgebiete eine weitere Niederlassung jener Hilfsorganisation gab.

Überschwemmungsgebiet vom Buschflieger aus (Foto: StH – 1991)
Wie jedes Jahr war auch in der derzeitigen Regenzeit das Umland nur wenige km von Leer entfernt überschwemmt, so dass man sich nur zu Fuß durch teilweise achselhohes Wasser oder mit einem Boot oder Flugzeug von einem Ort zum anderen bewegen konnte. Flugzeug und Boot (Barkasse) waren nicht verfügbar, mit einem Auto, selbst einem Geländewagen, war ca. 20 km nördlich von Leer Endstation. Der Fußweg wäre sicher kein Vergnügen, das wusste Paul, aber es wäre von Leer aus der nächste Zufluchtsort gewesen.
In Pauls Compound waren ein lokaler Koch, ein Mechaniker zur Wartung der Fahrzeuge und ein oder zwei weitere Lokalkräfte angestellt, sicher alle mit Berichtspflicht gegenüber der SPLA/SRRA. Mit dem „Verbindungsmann“ der SRRA traf Paul sich regelmäßig. All das diente sicherlich auch seiner Beobachtung, um nicht „Überwachung“ zu sagen.
Alltag eines „Expatriates“
Der Koch bereitete ihm auch sein stets köstliches und höchst abwechslungsreiches Menu, das einen Tag aus Reis mit Erbsen und Möhren aus der Dose bestand, am Folgetag dann zur Abwechslung aus Reis mit Möhren und Erbsen aus der Dose. Bisweilen war das Gemüse höchst schmackhaft mit Dosenpilsen angereichert. Ein Festmahl erwartete Paul, wenn gerade mit einem der Hilfsgütertransporte eine Kühlbox mit einer frischen Mango oder Ananas angekommen war, Kulinarische Abwechslung gab es lediglich, wenn er für ein Wochenende oder zu Besprechungen nach Lokichoggio flog.
Dort lebten einige Dutzend humanitäre Helfer dauerhaft oder sie hielten sich wie Paul vorübergehend aus ihren Arbeitsorten in verschiedenen Regionen des Süd-Sudans kommend dort auf. Es gab im dortigen, recht kargen und von Maschenzaun umgebenen Gelände im Siedlungsland der Turkana ebenfalls nur recht eingeschränkte Bewegungsmöglichkeiten außerhalb des Lagers, aber wenigstens gut gebaute lokale Rundhütten, die als Tokul bezeichnet wurden. In den Tokuls konnten die Helfenden in richtigen Betten schlafen und mussten dies ein paar Nächte nicht auf Feldbetten tun.
Ein beliebtes Ziel am Abend war ein Aussichtspunkt in den nahegelegenen Hügeln, von wo man den Sonnenuntergang beobachten konnte. Auch bot sich in Lokichoggio die Möglichkeit zu einem gemeinsamen Abend mit anderen Delegierten bei Musik und einem kühlen Bier sowie tatsächlich guter und abwechslungsreicher Kost, die gewöhnlich auf einem Buffet aufgebaut war.

In der Nähe von Lokichoggio (Foto: StH (1991)
Der Süd-Sudan (politisch) damals und heute
Der Süd-Sudan wurde erst 2011 unabhängig vom Nord-Sudan, und war in den 1990er Jahren noch Teil des von Karthum regierten Sudans.
Bevor Paul diesmal nach Lokichoggio geflogen war, hatten in der Nähe von Leer Kämpfe mit angeblich etwa 3.000 angreifenden Dinkasoldaten der Garang-Fraktion unter dem Kommando von William Nyong begonnen. Diese seien mit Barkassen von Bor aus den Nil runter zur nahe Leer gelegenen Anlagestelle gekommen, und bewegten sich von dort aus auf Leer zu. Als Herkunftsort von Riek Machar war Leer von hoher symbolischer Bedeutung und vermutlich war dieser Gegenangriff auch eine Reaktion auf den wenige Wochen zuvor ausgeführten Angriff der Nuer auf Bor.
Natürlich hatte Paul seinen Chefs in Lokichoggio hiervon berichtet, allerdings nicht per Funk, sondern in seinem mit den Fliegern transportierten Situationsberichten, die nicht so leicht vom lokalen Geheimdienst ausspioniert werden konnten. Überhaupt musste Paul bzgl. seiner Mitteilungen über Funk sehr vorsichtig sein, und Mitteilungen über die militärische Lage waren absolut tabu. War die Kurzwellen-Funkverbindung mal wieder schlecht bis sehr schlecht, mussten die Nachrichten nach und von Lokichoggio mühsam im Nato-Alphabet Buchstabe für Buchstabe übermittelt werden. Dann musste Paul sowie die Funkenden auf der anderen Seite die einzelnen Buchstaben mitschreiben. Nur für bestimmte häufige Wendungen gab es allgemein bekannte Abkürzungen. So stand „asap“ für „as soon as possible“, also baldmöglichst.
Nun war Paul für einige Tage in der Basis in Lokichoggio gewesen, um über die Situation in Leer zu berichten, und gemeinsam mit der Logistikabteilung festzulegen, welche Hilfsgüter prioritär in Leer benötigt wurden und dorthin transportiert werden sollten. Das dortige etwas komfortablere Leben mit guten Betten und Essen und den anderen internationalen Helfenden, von denen einige durchaus Freunde geworden waren, hatte er genossen.
Eine gute Frage: „Warum macht Ihr das?“
Einmal, vor einigen Wochen, war ein Journalist im Lager in Lokichoggio gewesen, der angesichts der auch dort nicht gerade luxuriösen Bedingungen die Helfenden fragte, warum sie diese Arbeit überhaupt gewählt hatten. Das war keine schlechte Frage! Die sicher höchst individuellen Antworten reichten von „andere Kulturen und Weltgegenden kennenlernen“ bis zu „ich muss Geld verdienen, um überhaupt eine Chance zu haben, die Schulden meines pleitegegangenen Betriebes oder nach der Scheidung jemals begleichen zu können“. So war ein Schweizer Handwerker mit seinem Betrieb auf einer Baustelle ordentlich mit Arbeit und Material in Vorleistung getreten. Dann ging sein Schuldner in Konkurs und so war auch sein eigener Konkurs unausweichlich.
Natürlich gab es auch reinen Altruismus, und bei dem Ein oder der Anderen Wurzellosigkeit, da sie bereits zu lange in der humanitären Welt herumreisten, ohne noch einen Anker in irgendeinem Hafen zu haben. Überhaupt hörte man nach seiner Rückkehr von Freunden und Familien häufig „Toll, das könnte ich nicht, aber muss doch sehr interessant sein.“ Doch wirklich verstehend sich unterhalten konnte man sich eigentlich nur mit anderen humanitär Helfenden. Paul sagte für sich selbst, es sei eine Mischung aus Abenteuerlust, Berufung und Idealismus. Er war sich jedoch sicher, dass weder reiner Idealismus noch reiner Altruismus längerfristig gesund waren. Letztlich brauchten Helfende seiner Meinung nach eine gesunde Mischung aus Idealismus und Professionalität. Ohne Idealismus setzte man sich derartigen Situationen wohl kaum längerfristig aus. Ohne Professionalität verfiel man angesichts des erlebten Leidens in Frust oder Sarkasmus und Zynismus. Beispiele all dieser Gattungen hatte Paul bereits getroffen, und dann noch jene ewig Rastlosen und Ruhelosen, die vor irgendetwas zu fliehen schienen und wirklich nirgendwo mehr zu Hause sein konnten. Im Feld schwärmten sie von ihrem Herkunftsort, und dort vom Feld.
Zurück ins „Feld“
In Lokichoggio war Paul bei diesem Aufenthalt gefragt worden, ob er denn meine, angesichts der Lage nach Leer zurückkehren zu können. Ihm schienen die Kämpfe gemäß der zu hörenden Schüsse und zu erhaltenden Informationen jedoch noch ziemlich weit entfernt, so dass keine unmittelbare Gefahr für die eigentlich ohnehin durch das humanitäre Völkerrecht geschützten Helfenden zu bestehen schien.
Und so stand Paul am Montagmorgen sehr früh auf und war bereits gegen 6.00 Uhr fertig für den Rückflug nach Leer. Der Pilot war heute Gerhard, ein Österreicher und ein Mitglied des Pilotenteams, das ebenso wie Paul von der Hilfsorganisation angestellt war. Gerhard sagte ihm noch, er solle Bescheid sagen, sollte es zu gefährlich werden, dann käme er ihn evakuieren. Und nun erwartete Paul in Leer noch wichtige humanitäre Arbeit.
Insbesondere mussten aus dem großen Übergangslager in Pochalla im Osten des Süd-Sudans rückkehrende, süd-sudanesischen Familien nach ihrer Ankunft in Leer mit einer Grundausstattung für den Neubeginn versorgt werden.
Internally Displaced Persons und regionale Verflechtungen
Nach dem Sturz des äthiopischen Diktators Mengistu Haile Mariam im Jahre 1991 waren mehrere zehntausend Menschen, die sich zuvor vor dem Bürgerkrieg im Sudan fliehend in äthiopischen Flüchtlingslagern aufgehalten hatten, nach Pochalla ganz im Osten des Süd-Sudans geflohen.
Durch diesen massiven Zuzug in kurzer Zeit war die Bevölkerung dieses kleinen Ortes innerhalb von Wochen von einigen Tausend Bewohnenden auf fast 50.000 Menschen angewachsen. Selbstverständlich waren die natürlichen Ressourcen dieser Kleinstadt hoffnungslos überlastet. Selbst essbare Rinde, Wurzeln und Blätter waren bereits erschöpft.
Und so wurden Hilfsmittel wie die gemäß der Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation zusammengestellten Grundration an Nahrungsmitteln per Flugzeugen aus Lokichoggio herantransportiert. Einige Güter wie die Kanister mit Speiseöl wurden mit landenden Maschinen gebracht, von denen eines eine generalüberholte DC3 war. Dieser Flugzeugtyp hatte bereits während der Berliner Luftbrücke Berühmtheit als „Rosinenbomber“ erworben. Auch in Vietnam war die DC3 massenweise eingesetzt und Dan, ein anderer der für die internationale Hilfsorganisation fliegenden Piloten aus den USA, hatte diesen Typ in Vietnam geflogen und kannte diese Maschine und ihre Flugeigenschaften sehr genau.
Einige Güter, insbesondere Mais und Bohnen wurden von den Transportmaschinen aus der Luft über einem markierten und für die Bevölkerung abgesperrten Gelände aus der Heckklappe abgeworfen. Dabei waren die Güter auf Holzpaletten derartig verpackt, dass die Bänder um die Nahrungsmittelsäcke, die diese an die Palette banden, von der nachfolgend aus dem Heck fallenden Palette aufgezogen wurden. Dadurch prallten die Säcke nicht noch auf der Palette montiert auf den Boden, was die Säcke hätte aufplatzen und die Nahrungsmittel verstreut hätte. Stattdessen fielen die Säcke einzeln auf die Abwurffläche, so dass nur wenige Säcke aufplatzten.

Aus dem Buschflieger werden in Pochala auf Paletten gepackte Säcke mit Mais oder Bohnen als Nahrungshilfe abgeworfen (Foto: StH – 1991)

Die Säcke lösen sich von den Paletten und „rieseln“ zu Boden, wo eine Fläche abgesperrt ist (Foto: StH – 1991)
Die Säcke selbst waren von der lokalen Bevölkerung als praktische und relativ reißfeste Verpackung sehr begehrt und waren derart auch auf dem lokalen Markt zu finden. Die Menschen durften einige Zeit nach dem Abwurf das zuvor abgesperrte Terrain betreten, und sammelten die Nahrung der doch aufgeplatzten Säcke gewissenhaft auf, auch um daraus lokales Bier zu brauen. Ansonsten wurden festgesetzte Lebensmittelrationen an die Familien der nach Pochalla Vertriebenen sowie der bereits traditionell dort lebenden Familien verteilt.
Ohne diese internationale Hilfe per Luftbrücke wäre das Überleben der einheimischen und zugezogenen Bevölkerung überhaupt nicht möglich gewesen. Und auch jetzt noch hielten die Krankenschwestern im Lager allzu oft und trotz aller Bemühungen Kinderleichname in den Armen, was eine sehr schwere psychische Belastung darstellte, die erneut nur durch eine gesunde Mischung aus Idealismus und Professionalität zu ertragen war. Natürlich gab es auch die wunderbaren Momente, wenn ein zuvor fast verhungertes Baby wieder zu Kräften gekommen war und die Schwestern babbelnd anlächelte und nach ihrem Finger griff.
Nach einigen Monaten dieser Luftbrücke war von lokalen Behörden und Hilfsorganisationen entschieden worden, das wild gewachsene Flüchtlingslager langsam aufzulösen, und die Familien in ihre Herkunftsgebiete zurückzuführen.
Und so machten sich auch einige hundert Familien auf den Weg in die Unity-Region um Leer. Sie liefen wochenlang zu Fuß, wobei die internationale Hilfsorganisation unterwegs versuchte, in wenigen Durchgangsstationen zumindest ein wenig Unterstützung durch frisches Wasser, Nahrungsmittel und eine medizinische Grundversorgung bereitzustellen.

Einige LKWs bringen Nahrungsmittel Wasser und Basismedikamente zu einen provisorisch eingerichteten Durchgangslager (Foto: StH – 1991)
Vom Überleben der Starken und dem Tod der Schwachen
Diese Familien hatte Paul vor Kurzem in Leer empfangen, registriert und ihnen Lebensmittelkarten ausgegeben, sowie ihnen Hilfsgüter wie Decken und Kochutensilien verteilt. Er hatte sich gewundert, dass fast alle Ankommenden zwischen 15 und 50 Jahren alt waren, bis ihm erklärt wurde, dass die Älteren und viele Kinder die strapaziöse und entbehrungsreiche Wanderung schlicht nicht überlebt hatten. Natürlich hatte es unterwegs auch Überfälle und Vergewaltigungen gegeben, leider allzu „normal“ in Kriegszeiten.
Und nun war Paul also wieder in Leer und konnte seine humanitäre Arbeit fortsetzen, die dringend erforderlichen Hilfsgüter hatte er in Lokichoggio bestellt und sie würden in den nächsten Tagen eigeflogen werden.
Nachts hatte Paul wieder Schüsse gehört, die nun näher zu sein schienen als vor seiner Abreise. Der Kommandant von Leer verfügte nach den Informationen, die Paul von den Niederländern erhalten konnte, über Krieger und Gewehre, aber nicht über ausreichend Munition. Die Munition wurde dringend per Airdrop, also den Abwurf aus Flugzeugen, aus Karthum erwartet. Die Allianzen im Sudan waren überaus wechselhaft und nicht leicht zu verstehen, bedenkt man, dass John Garang und die Nasir-Fraktion unter Riek Machar und Lam Akol noch vor Kurzem gemeinsam gegen die Zentralregierung in Khartum gekämpft hatten, aber so war nun mal die Paul geschilderte Information.
Nachdem Paul nach einer warmen Nacht im Schlafcontainer einen Arbeitstag mit den üblichen Verwaltungsaufgaben verbracht hatte, stellte Paul morgens fest, dass zwei seiner drei Kraftfahrzeuge sowie einige Stühle aus seinem Besprechungstokul verschwunden waren. Lediglich einen Pickup fand er morgens ohne Räder auf Steinen aufgebockt noch vor.
Die (militärische) Lage und ihre Erfordernisse
Paul begab sich zum Compound des lokalen Kommandanten, nachdem er die vermissten Pickups seiner Hilfsorganisation mit Soldaten der Verteidigungstruppen hatte in Richtung Front fahren sehen. Paul verwies auf das humanitäre Völkerrecht, doch der Kommandant hatte lediglich darauf verwiesen, dass die Umstände ihn zu diesem Verhalten zwängen. Paul, der in einem der ebenfalls verschwundenen Stühle seiner Hilfsorganisation dem in einem weiteren dieser Stühle sitzenden Kommandanten gegenübersaß, sagte, er betrachte dann die Autos als gestohlen. Der Kommandant antwortete: „Gestohlen“ sei ein derart hässliches Wort, er bevorzuge, es „konfisziert“ zu nennen! Im Ergebnis war das natürlich genau dasselbe, doch war Paul klar, dass eine weitere Diskussion nicht zielführend sein könne. In der Ferne hörte er die Explosionen von Mörsergranaten.
Am frühen Nachmittag kam ein lokaler Mitarbeiter zu ihm, und forderte ihn auf, eine Tasche mit seinen wichtigsten Dingen zu packen, da es sein könne, dass sie vor den Kämpfen aus Leer fliehen müssten. Es gehörte zum Evakuierungsplan, eine Tasche mit Ausweis und Papieren, Waschzeug und ein wenig Kleidung stets gepackt und schnell griffbereit zu haben. Und so packte Paul lediglich noch ein paar persönliche Dinge wie sein Buch, seinen Kurzwellenpfänger, sein Walkie-Talkie, einige Flaschen Trinkwasser sowie einige wichtige Arbeitsunterlagen dazu. Im Landcruiser, der zwar konfisziert worden war, ihm heute aber für eine eventuelle Flucht wieder zur Verfügung stand, war ein Funkgerät installiert, so dass Paul mit der Logistikzentrale in Lokichoggio kommunizieren konnte, solange dieses Fahrzeug sich in seiner Nähe befand.
Seine Kleidung packte er ebenfalls zusammen. Viel benötigte er in Leer ohnehin nicht.
Ja, auch Paul hatte wahrgenommen, dass die Mörser- und Gewehrgeräusche offensichtlich in den letzten Tagen nähergekommen waren, und die lokale Bevölkerung nervös geworden war. Am Spätnachmittag sah Paul viele Männer mit Ballen von Wolldecken auf dem Kopf über den Weg zwischen seinem Compound und dem etwa 200 m entfernten Lagerhauszelt laufen. Als er sich zu diesen Zelt begab, fand er es ohne Planen, und bis auf wenige zwischen den Holzpalletten verstreute Papierpäckchen mit Gemüsesamen vollkommen ausgeplündert vor.

Die im Lagerzelt aufbewahrten Decken, Küchenutensilien und sonstige Hilfsgüter waren inklusive der Zeltplane und Paletten bis auf ein paar Tütchen mit Gemüsesamen einer „spontanen Verteilung“ anheim gefallen (Foto: StH – 1991)
Es versetzte ihm einen Stich, doch wie sagt ein Sprichwort: „Gelegenheit schafft Diebe“, und die sich auflösende Ordnung und einsetzende Flucht war sicher eine derartige Gelegenheit. Zwar mag es einer eitlen europäischen Haltung entspringen, solches Verhalten den „Wilden in Afrika“ vorzuwerfen, doch bei Licht betrachtet, würde Ähnliches sehr sicher auch in Deutschland oder der „entwickelten Welt“ passieren – Vorkommnisse während und nach den Weltkriegen in Europa oder beim Blackout in New York im Jahr 1977 waren nur einige Beispiele hierfür.
Und so wartete er auf das, was kommen würde.
Gegen 17.00 Uhr kam dann der lokale Mitarbeiter und sagte, es sei Zeit zu fliehen, da der Feind sehr nahe sei. Also wurden alle Sachen und ein paar Lebensmittel in den Landcruiser gepackt und Paul, sein Koch und 2 weitere lokale Mitarbeiter fuhren von Leer weg etwa 20 km in den Norden, wo die befahrbare Straße am Rand des Überschwemmungsgebietes in dieser Jahreszeit endete. Dort wurde ein Lager aufgeschlagen und ein Abendessen bereitet, wie üblich aus schmackhaftem Reis mit Möhren und Erbsen aus der Dose.
Gelegenheit macht Diebe in zugespitzten Situationen
Etwas später kommt der Koch zu Paul und sagt, er müsse zurück zum Compound, da er vergessen habe, eine Tür zu schließen. Ob das nicht zu gefährlich sei, fragt ihn Paul. Ach, er passe schon auf. Also wünscht Paul ihm viel Glück und der Koch bricht auf.
Währenddessen bereiten die anderen sich für die Nachtruhe vor, so auch Paul. Gemütlich geht anders als sitzend im Landcruiser zu schlafen, aber etwas schläft er dann doch. Die Schüsse sind von hier aus wieder weiter weg. Allerdings muss Paul darüber nachdenken, was ihn in den nächsten Tagen erwarten könnte.
Sollten die Kampfhandlungen bis zu diesem Ort vorrücken, müssten sie wohl Auto und Funkgerät, also die Verbindung nach Lokichoggio zurücklassen, und müsste versuchen, die überschwemmten Gebiete zu durchqueren, um die Niederlassung der anderen internationalen Hilfsorganisation zu erreichen. Dann konnte er nur hoffen, dass er dort noch jemanden anträfe und von dort aus evakuiert werden könne. Allerdings ist diese Gefahr noch nicht eingetreten, und wird es hoffentlich auch nie?
Warten und Hoffen
Der Koch ist zurück und meint, es sei alles gutgegangen. Nach einem ziemlich kargen Frühstück fahren Paul und der SRRA-Verbindungsmann zum Compound des lokalen Kommandanten, der diesen auch weiter nach Norden und raus aus Leer verlegt hat. Paul fragt ihn, ob er sich nicht evakuieren lassen könne, da er derzeit und ohne Hilfsgüter, die sich ja gestern alle „spontan verteilt“ hatten, ohnehin seine Arbeit nicht ausführen könne, und sich überflüssig vorkomme. Der Kommandant antwortete jedoch, er könne Paul derzeit noch nicht gehen lassen. Paul ist irgendwie klar, dass seine Anwesenheit angesichts des Munitionsmangels der verteidigenden Nuer auch für die Aufrechterhaltung der Kampfmoral wichtig ist. Würde er gehen, wäre es für die verteidigenden Kämpfer ein weiteres Zeichen der Hoffnungslosigkeit. Und so blieb Paul nichts Anderes über, als zu warten. Er verbrachte den Tag mit „Focus on Africa“ in der BBC, etwas Lesen und ein paar Tassen Tee und regelmäßigen Gesprächen alle paar Stunden mit dem Kommandanten, während sie beide in den „konfiszierten“ Stühlen saßen. Natürlich äußerte sich der Kommandant nicht wirklich zur militärischen Lage und immer wieder musste Paul dessen Lager verlassen, wenn er militärische Besprechungen hatte.
Und so ging der Tag im Müßiggang dahin, aber die Kampfhandlungen schienen den Geräuschen nach zu urteilen, zumindest nicht näher zu kommen.
Schließlich ging dieser Tag in die zweite Nacht sitzend im Landcruiser schlafend über, doch hatten sie genug Wasser und Nahrung und konnten zumindest derzeit auch in der Nähe von Landcruiser mit Funkgerät bleiben, was im Vergleich zum 80 km weiten Fußweg sicher die bessere Alternative war.
Irgendwann hörte Paul einen heftigen Streit und sah den lokalen Verantwortlichen für das Kinderimpfprogramm den Koch heftig beschimpfen. Natürlich verstand Paul zunächst nicht, worum es ging, doch dann wurde ihm gesagt, der Koch habe bei seiner Rückkehr nach Leer gestern wohl den Impfkühlschrank gestohlen und in sein Privathaus geschafft. Der Impfverantwortliche sei so aufgebracht, weil er alle Impfstoffe achtlos auf dem Boden des Medikamentenlagers im Krankenhaus vorgefunden habe. Als er nun dem Koch vorwarf, dieser töte aus purem Egoismus Kinder, antwortete dieser wohl nur, seine eigenen Kinder seien bereits geimpft. Natürlich war auch Paul höchst enttäuscht vom Verhalten seines Kochs, dem er doch auch vertraut und gestern noch eine sichere Rückkehr gewünscht hatte. Andererseits war wohl auch dieses Vorkommnis nur ein weiterer Beweis für „Gelegenheit macht Diebe“ und eine zumindest zeitweise Gelegenheit hatte sich durch den Zusammenbruch der Ordnung ja zweifelsohne geboten. Einen Kühlschrank hatten in Leer sicher die Wenigsten, und so erscheint diese überaus egozentrische Handlungsweise des Kochs doch menschlich irgendwie verständlich. Dies selbst, wenn man sie als moralisch verwerflich ansieht.
Evakuierung – natürlich nur für „Privilegierte“
Dann wurde Paul erneut zum Kommandanten gerufen, und der erschien ihm recht gutgelaunt. Irgendetwas Positives schien geschehen zu sein, vielleicht war der Abwurf der sehnsüchtig erwarteten Munition geschehen? Jedenfalls eröffnete der Kommandant Paul, er könne seine Leute in Lokichoggio informieren ihn abzuholen. Sie sollten auf dem Landestreifen in Leer landen, aber von Norden reinfliegen.
Das war für Paul nach fast 48 Stunden angespannter Unsicherheit eine frohe Botschaft. Der Kommandant sagte ihm noch, er habe sich für einen Nicht-Militär sehr gut, überlegt und ruhig verhalten, was wohl als Kompliment zu verstehen war.
Nun stellte sich die Aufgabe, das Logistikzentrum in Lokichoggio über die Lage per Sprechfunk zu informieren, ohne dass er irgendwelche Informationen über die militärische Lage ausplauderte. Andererseits war es wichtig, dass der kleine Flieger sicher landen, ihn aufnehmen und wieder starten konnte. Ein Abschuss vor, während oder nach der Landung hätte Paul auch nichts genutzt, sondern nur weitere Menschenleben gefährdet.
Paul kontaktierte also mithilfe des Funkgeräts im Landcruiser die Basis in Lokichoggio. Er bat den zunächst antwortenden Funker, Ole, den Leiter der Logistikabteilung, ans Gerät zu holen. Kurz darauf konnte er mit Ole sprechen. Um jedwede militärische Details zu vermeiden, konnte Paul nur hoffen, dass Ole ihm gut zuhörte, und das Gesagte entsprechend angemessen zu interpretieren vermochte. Doch das traute er Ole durchaus zu. Also begann er damit, dass er sagte, er wolle nun evakuiert werden, da sich nun diese Möglichkeit biete. Ole fragte zum Glück nicht nach den Gründen, dafür war er in derartigen humanitären Notlagen zu erfahren. Er antwortete nur, dass sie ein Flugzeug bereitmachen würden und ihn holen kämen. Paul wählte auch die weiteren Worte sehr bedächtig und hatte sie in der letzten Stunde still für sich erwogen: Das Flugzeug solle von Norden reinkommend landen, aber auf jeden Fall mit ihm Funkverbindung vor der Landung aufnehmen und nicht ohne Pauls „Ok“ landen. Ole sagte dies zu und so konnte Paul nur weiter warten und hoffen, dass seine Aussagen von Ole richtig verstanden worden waren. Zumindest war die Funkverbindung heute qualitativ gut gewesen.
Paul begab sich mit dem Landcruiser und einer Delegation des lokalen Kommandeurs zum Landestreifen – mit dem Kommandeur waren dem Landcruiser zumindest seitens der Verteidigungskräfte die Wege offen. Gemäß des Sicherheitsprotokolls fuhren sie allerdings in unterschiedlichen Fahrzeugen, damit Paul nicht versehentlich Opfer eines Angriffs auf den Kommandeur werden konnte, wie dies gut ein Jahr zuvor anderen Mitarbeitenden der Hilfsorganisation in Somaliland passiert war.
Derart kamen sie gut und sicher am Landestrip an und parkten die Autos am Ende der Landefläche.
Vielleicht eine dreiviertel Stunde später hörten sie ein Brummen in der Ferne und Paul rief den Flieger über Funk. Zum Glück kam die Verbindung in guter Qualität zustande und Paul konnte nochmals dem Piloten mitteilen, er solle von Norden reinkommend zum Landen ansetzen, aber es scheine sicher. Der Pilot sagte: „Roger“ und Paul antwortete „Roger and out.“
Dann wurde das Brummen langsam lauter und schließlich sahen sie ein silbernes Flugzeug im Sonnenlicht reflektierend in engen Spiralen aus großer Höhe im Sinkflug, bevor es einmal in mittlerer Höhe über den Airstrip flog und dann in einer engen Kurve zur Landung ansetzte.
Kurz darauf stand das Flugzeug und der Kommandant und Paul gingen auf es zu. Der Pilot ließ den Propeller laufen und Angelika, eine der Krankenschwestern stieg aus. Der Kommandeur sagte, sie sollten sich beeilen, also griff Paul seine wenigen Sachen und stieg mit Angelika wieder ein.
Über Vietnam und Angola
Der Pilot war Dan, der US-amerikanische Vietnamveteran, der ihn durch die Cockpit-Öffnung herzlich grüßte und ihm erklärte, Paul solle sich nicht wundern. Am Ende der Landebahn stehe ein Flugabwehrgeschütz. Deshalb werde er sehr knapp über dem Boden starten und dann die Maschine schnell auf Höhe bringen. Derart könne das Flugabwehrgeschütz uns schlecht abschießen.
Also lehnte Paul sich grundsätzlich bereits erleichtert, wenn auch noch ein wenig angespannt zurück, und schaute aus dem kleinen Bullauge neben sich.
Tatsächlich schien es anfangs, als würden sie noch über den Boden rollen, als sie von diesem bereits abgehoben hatten, bevor das Flugzeug in einer scharfen und aufwärtsgerichteten Kurve schnell ab Höhe gewann.
Nun fragte Angelika, wie es ihm gehe und ob sie etwas für ihn tun könne, Er sagte: „Ja, den Nacken massieren!“ Dieser war nach den den fast 48 Stunden der Unsicherheit und des Versuchs, der Situation angemessen und ruhig zu begegnen, hart wie Stein, und Angelikas Finger waren eine echte Wohltat.

über dem Süd-Sudan (Foto: StH: 1991)
Unter sich sahen sie nun die sudanesische Landschaft mit dem Streifen des Nils, den überschwemmten Flächen, einzelnen Baumgruppen und der rötlichen Erde zwischen dem gelben Gras. Vereinzelt konnten sie auch Striche erkennen, die von den „Straßen“ gezeichnet waren, die hier nicht geteert, sondern aus Sandpisten bestanden. In der Mitte hatten diese Wege einen erhöhten Streifen und zu beiden Seiten dieses tiefe Furchen von den Rädern hatten. Paul liebte die Herausforderung des vorausschauenden Fahrens auf diesen Pisten, wenn man sehen musste, die eigenen Räder auf Mittelstreifen und einem Randstreifen zu haben, und hin und wieder auf die andere Spur zu wechseln, um nicht mit dem Chassis aufzusitzen,
Nach einem ruhigen Flug von etwa 45 Minuten landeten sie wohlbehalten in Lokichoggio. Paul wurde vom Ole und dem Delegationsleiter empfangen, denen er über die letzten etwa 72 Stunden in Ler berichtete. Dann bezog einen der Tokuls, konnte duschen und begab sich zum Abendessen. Das Abendessen vom reichhaltig gedeckten Buffet und das anschließende kühle Bier mit Kollegen schmeckte hervorragend und langsam konnte er sich auch entspannen.
Etwa zwei Wochen später flog Angelika, die Krankenschwester, für eine Erkundung nach Leer. Dort fand sie viele Leichen mit Kopfschüssen an den Wegen und im Gelände vor. Dies waren wohl die etwa 3.000 Kämpfer, die Leer angegriffen hatten. Nach den erhaltenen Informationen hatten die verteidigenden Kräfte nur und genau einen Kriegsgefangene n gemacht, alle anderen Angreifer waren wohl „gefallen“, ggf. mit Kopfschuss nachgeholfen. Hass und Brutalität in derartigen Kämpfen, nicht nur in Afrika, sondern sicher auch im Bosnien- oder im Ukrainekrieg und vermutlich auch in Gaza und im Westjordanland sprengen sämtliche Vorstellungen von „Menschlichkeit“, „Menschenwürde“, „Haager Landkriegsordnung und Völkerrecht“ – sie kennen meist keine „Barmherzigkeit“ oder „Gnade“!
Etwa 2 Monate später sah Paul Kim, die australische Freundin des amerikanischen Piloten Dan, der ihn so professionell mit der DC3 evakuiert hatte, hemmungslos weinen. Und dann erfuhr er, dass Dan in etwa 10.000 Fuß mit der DC3 Hilfsgüter transportierend über Angola abgeschossen worden war – auch er hatte keine Chance gehabt.


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